Grundstücksgrenzen
Sagen Sie ihrem Baum, wo die Grundstücksgrenze ist!
Die Arbeit untersucht Grundstücksgrenzen als gesellschaftlich aufgeladenen Raum, in dem sich aktuelle Klimadebatten und private Besitzlogiken widersprechen.
Während im urbanen Kontext zunehmend über Begrünung, Biodiversität und klimaresiliente Stadtentwicklung verhandelt wird, zeigt sich im unmittelbaren nachbarschaftlichen Alltag häufig das Gegenteil: Bäume werden gefällt, Sträucher radikal zurückgeschnitten und Bodendecker entfernt, sobald sie die klar definierten Grenzen privater Grundstücke überschreiten.
Natur wird dort nicht primär als ökologische Ressource, sondern als potenzielle Störung von Ordnung, Sichtbarkeit und Eigentum wahrgenommen.





Die Arbeit macht sichtbar, wie sich gesellschaftliche Vorstellungen von Kontrolle und Abgrenzung in Landschaft einschreiben. Der natürliche Wuchs wird an menschengemachte Linien angepasst — „wie mit dem Lineal gezogen“.
Zugleich entsteht ein Paradox: Genau jene Vegetation, die im urbanen Raum als klimatische und soziale Ressource gilt, wird im privaten Kontext entfernt und durch künstliche Materialien ersetzt. Sichtschutzgewebe aus Kunststoff tritt an die Stelle von Hecken und Bäumen, reproduziert deren Funktion, trägt jedoch zugleich neue ökologische Belastungen durch Zerfall und Mikroplastik in sich.
Die Serie versteht Grundstücksgrenze als gesellschaftlichen Verhandlungsraum, in dem Klimawirklichkeit, Eigentumsanspruch und Alltagsästhetik unmittelbar aufeinandertreffen — und sich im Kleinen die großen Widersprüche des Umgangs mit Natur im urbanen Zeitalter zeigen.
Rund 70 Meter Plastikgewebe kam an diesem Zaun zum Einsatz, um nach einem radikalen Rückschnitt des Grüns die Privatsphäre wiederherzustellen. Die minimalistische Videoarbeit fängt das „Negativbild“ der Bäume und Sträucher ein, die sich in einer deutlichen Entfernung vom Zaun befinden und im Sonnenlicht auf dieses Gewebe ihren Schatten werfen. Das Material bewegt sich leicht im Wind, wie auch das Auge, so tastet die Kamera die Netzstruktur ab, die sich zwischen dem Betrachter und der Umwelt schiebt und den Blick versperrt. Die Grenze zwischen Innen und Außen wird nicht mehr durch Natur, sondern durch ein industrielles Material markiert, das selbst im Verfall begriffen ist.
Im Hintergrund ist Hundegebell zu hören — eine alltägliche Klangkulisse, die Assoziationen von ländlicher Nähe zur Natur und vermeintlicher Toleranz gegenüber unkontrolliertem Wachstum hervorruft. Die Arbeit stellt diese Vorstellung infrage und verweist auf die Widersprüche zwischen romantisierten Bildern von Naturverbundenheit und den tatsächlichen Mechanismen sozialer Abgrenzung im Alltag.